Altern und Verschlunzen

Verschlunzen kostet Überwindung.

Ich habe mich am Anfang seeeehr schwer damit getan. Schließlich habe ich viel Zeit verwendet um die Gewandung auch akkurat herzustellen… nur um sie dann wieder kaputt zu machen.

Um das Ganze auf alt zu trimmen habe ich (in 2006) verwendet:

  • Schleifpapier (grob + fein)
  • Stahlbürste
  • verschiedene Autolacke (matt): schwarz, verschiedene Brauntöne, klar
  • Windowcolour: rot, schwarz, grün, braun, klar
  • grober Faden, um „Löcher“ zu stopfen

Meine Anfänge sahen so aus:

– mit Schleifpapier (grob und fein) oder Stahlbürste typische Gebrauchsstellen aufrauen. Für Leder erst mit dem feinen, dann wenig mit dem groben S-Papier darüber gehen. Nicht zu gleichmäßig, manche Stellen sind halt ‚durchgescheuerter‘ als andere.

– Saum von Mantel und auch einige andere Bereiche (z.B. Oberarm, Torso) mit Schere oder Cutter an einigen Stellen angeschnitten, dann etwas weiter aufgerissen und ausfransen lassen.

– einige „Löcher oder Risse“ wieder mit groben Faden zusammennähen. Mit dem Nähen nicht zu akkurat sein, schließlich ist es ein Waldläufer und kein Schneider und es soll ja gebrauchsmäßig aussehen.

– als „Schmutz“ habe ich verschiedene Autolacke verwendet (Braun- und Grüntöne, schwarz; je nach Stofffarbe bei den Brauntönen ruhig etwas hellere Farben nehmen, damit diese dann besser auf dem Stoff zu sehen sind). Damit den Saum und auch sonst die restliche Gewandung ‚einsauen‘. In der Küche sind auch manche „Zutaten“ zu finden, die sich ebenfalls nicht mehr herauswaschen lassen (z. B. rote Beete, Rotwein, Balsamico, Schlieren und Flecken lassen sich auf weißem Stoff gut mit schwarzem Tee machen…). Und bei manchen Stellen habe ich auch mal Kleber oder Windowcolor in den Stoff reingeschmiert (Tipp: nach dem Trocknen mit Farbe wieder etwas einschmutzen).- wenn der Schmutz getrocknet ist, dann an einigen Stellen wieder aufrauen/ausfransen/einreißen und eine andere „Schmutzschicht“ auftragen.

– wenn alles soweit verschlunzt ist, den Stoff kurz mit der Hand waschen (bei Maschinenwäsche geht leider einiges wieder raus).

– vorher überlegen, was der Waldläufer alles erlebt hat und welcher Schmutz/Risse/Löcher/usw. welche „Geschichte“ erzählt. Wurde sie/er mal mit einem Schwerthieb am Oberarm verwundet? -> Dann ist dort einen Riss, an deren Stelle eingetrocknetes Blut ist. Mittlerweile wurde das Hemd notdürftig wieder zusammengeflickt und die ersten Schmutzflecken haben sich auch wieder eingefunden. Oder ein Pfeiltreffer ins Bein? Vom Warg gebissen worden? *g* usw. …? Nur mal so als Beispiel…

Damit hatte ich damals angefangen.

Vor viiiiielen Jahren gab es auf einer Con auch einen Vortrag bei einem Wētā-Angestellten über dieses Thema. Beim Film wurde das (damals) so gemacht:

Matsch und Dreck:

Damit der Matsch auch nach dem Trocknen auf der Gewandung haften bleibt: Dreck mit Gleitgel vermischen und mit den Fingern draufschnicken.

Waschmaschinenfester Dreck: Eine Mischung aus Oxidpulver aus dem Baumarkt (wird wohl als Bestandteil von Betonfarben eingesetzt) mit gaaaaaaanz wenig Oxidpulver (Achtung: färbt wie Sau!) und Babyöl.
Mit einem Schwammtuch, Schwamm o.ä. (Tipp: Handschuhe verwenden) auftragen (vorsichtig, es ist mehr so eine Art Trockenbürsten). Dabei Nähte und vorstehende Strukturen betonen, weil da auch in RL der Dreck hängenbleiben würde.

Blut:

Flüssigere Mischung: Dunkler Saucenbinder, Rote-Bete-Saft oder rote Lebensmittelfarbe und (wenig) Instantkaffee. Dieses aufkochen und je nach Wunsch einfärben und eindicken.
Festere Mischung: Maissirup (Golden Syrup oder auch eine durchsichtige Variante), rote Lebensmittelfarbe, mehr Instantkaffee.

Rotz:

Flüssiglatex drauftropfen. Trocknet milchig-weißlich gelb aus und sieht extrem bäh-echt aus.

Mild gealtert/verschlunzt:

Mit (grobem) Schleifpapier über den Stoff reiben. Wie beim Dreck auch, Betonung auf höherstehende Teile und Teile, die eben mehr strapaziert werden würden beim Tragen. Je nach Stoff auch feineres Schleifpapier.

Grob gealtert/verschlunzt/zerrissen:

Stoff über etwas ziehen (z.B. leerer Joghurteimer bei Ärmeln) und mit der groben Hobelseite einer Käsereibe bearbeiten. Ebenfalls gut geeignet: die Raspelseite einer Käserebe.

Risse:

Am besten eben reißen, nicht schneiden. Falls Querrisse gebraucht werden („Werwolfattacke“), z.B. mit einem Cutter (oder auch Nahttrenner) als Kralle die Schnitte machen und die Enden trotzdem nochmal ausreißen.

Bleichen:

Um Bleiche vorsichtig zu dosieren, diese in eine Sprühflasche füllen und ggf. verdünnen.
Um sonnengebleichtes Zeugs darzustellen, eine Farbe anmischen, die etwas heller ist als die ursprüngliche Farbe des Kleidungsstücks, dann mit der Sprühflasche die gewünschten Stellen bleichen, anschließend mit der helleren Farbe wieder darüber färben.

Gürtel etc.:

Um sie alt und abgetragen aussehen zu lassen -> vor eine Betonwand stellen und mit dem Gürtel auf die Betonwand schlagen.
Schleifpapier geht auch bei Lederzeug.

Kaputt:

Gewandung auf einen Schotterweg legen, Sand und Schotter drauflegen und drauf rumtrampeln. Oder gleich ein Auto nehmen und ein paarmal drüberfahren, dann muss es gut bedeckt sein, damit keine Reifenspuren zu sehen sind.
(Bei den Rüstungen aus den großen Schlachten wurden die Rüstungen genommen, mit großen Steinen zusammen in einen Betonmischer gesteckt und dieses ein paar Stunden laufengelassen.)

Generelles:

Immer dran denken, welche Teile des Kleidungsstücks am ehesten bei was wie aussehen.
Z.B. bei Schnüren am Hemd wäre das etwas, wo viel dran rumgespielt würde, dementsprechend wäre da Dreck von den Fingern dran.

Bei allen Effekten lieber erst mal zu wenig als zu viel.

Nachdem man mit Sandpapier oder was auch immer dran rumgemurkst hat -> anschließend in der Waschmaschine waschen. Dann werden alle losen, kaputten Fäden rausgezogen, die irgendwo nur noch rumhängen.

Mittlerweile verwende ich gerne Stofffarbe und Acrylfarbe.

Bei hellen Stoffen verwende ich (verdünnte) Stofffarbe. Bei dunklen Stoffen greife ich auf (verdünnte) Acrylfarbe zurück.

Die Farbe wird mit viel Wasser verdünnt. Je nach Konzentration werden Schmutzschleier und/oder Flecken damit „gemalt“.